
Starke Mitgliederwanderungen nach Zusatzbeiträgen Die von der Politik an den Zusatzbeitrag geknüpfte Erwartung, dass der Wettbewerb unter den Kassen angeheizt wird, scheint sich zu bestätigen. Vor allem Großkassen mit Zusatzbeitrag verloren bisher hunderttausende Mitglieder. Schon seit Anfang 2009 müssen die Krankenkassen bei finanzieller Schieflage einen Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern verlangen. Nicht zuletzt aufgrund von Rücklagen schafften es die Kassen jedoch bis einschließlich Januar 2010, den Beitrag noch zu vermeiden. Im Februar 2010 ist der Damm dann gebrochen. Seither fordern die ersten Kassen einen Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern. Den politischen Erwartungen folgend, führte dies im laufenden Jahr bereits zu einem deutlichen Anstieg der Mitgliederwanderungen innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).
Mehrere hunderttausend Mitglieder wechselten
Bisherige Gewinner dieser Entwicklung sind insbesondere die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) und die Techniker Krankenkasse (TK). Sie konnten die Zahl ihrer Versicherten im laufenden Jahr um mehrere Hunderttausend steigern. Anders bei einigen Beitriebs- und Ersatzkassen. Sie erlitten teils empfindliche Mitgliederverluste von bis zu 20 Prozent. Dies folgt nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" aus Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) und der Kassenverbände. Hält die Entwicklung an, könnte die AOK schon bald wieder die größte Kassenart sein. Mit insgesamt 510.000 neuen Versicherten (Mitglieder plus Familienversicherte) im laufenden Jahr versichern alle AOK zusammen aktuell 24,2 Millionen Versicherte. Größer ist nur die Gemeinschaft der Ersatzkassen. Derzeit versichern sie noch rund 24,6 Millionen Versicherte. Bis Anfang Juni haben sie allerdings bereits rund 60.000 Versicherte verloren. Alleine im Juni kamen dem Bericht nach 59.000 Abgänge hinzu.
Teils massive Abwanderungen bei Einzelkassen
Spitzenreiter bei den Abgängen nach Anteil am Gesamtbestand ist offenbar die BKK Gesundheit. Seit Februar verlor sie den vorgenannten Zahlen zufolge bis zu 20 Prozent ihrer Mitglieder. Die in absoluten Zahlen höchste Abwanderung hat bisher die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) zu verzeichnen. Rund 241.000 oder 5 Prozent der insgesamt 4,6 Millionen Mitglieder kehrten ihr bis Juli den Rücken. Beide Kassen erheben seit Februar einen Zusatzbeitrag von acht Euro pro Monat und wollten im Oktober 2010 fusionieren. Entsprechende Gepräche wurden jedoch im Juli abgebrochen (vgl. "Links zum Thema"). Zu den Verlierern gehört auch die KKH-Allianz. Sie verlangt seit März einen Zusatzbeitrag von acht Euro pro Monat und verlor bis Juli 7,6 Prozent oder 116.000 ihrer rund 1,5 Millionen Mitglieder. Zu den Gewinnern bei den Ersatzkassen darf sich insbesondere die TK zählen. Sie profitiert offenbar am stärksten von der Schwäche ihrer Konkurrenz und steigerte die Zahl ihrer Mitglieder um 238.000 oder 3,5 Prozent auf 5,2 Millionen. Mit 0,8 Pozent fiel das Wachstum der Barmer GEK (6,5 Millionen Mitglieder) im selben Zeitraum deutlich geringer aus. Zulegen konnten auch die kleineren Ersatzkassen. Die hkk aus Bremen steigerte ihren Mitgliederbestand nach der Ankündigung einer Beitragsprämie um 7,2 Prozent auf 233.000. Die Hamburger HEK legte um 2,6 Prozent auf 270.000 Mitglieder zu.
Fehldeutungen durch Kassenfusionen möglich
Unberücksichtigt bleiben bei den Zahlen allerdings die kassenartenübergreifenden Fusionen. So gingen alleine durch die Fusion der IKK Niedersachsen zur AOK Niedersachsen rund 280.000 Versicherte auf die AOK über. Rechnerisch weist die Statistik bei den IKKn jedoch nur 140.000 Versicherte weniger aus. Der Hinzugewinn anderer IKKn betrugt demnach ebenfalls etwa 140.000 Versicherte.
Quote an Wechslern könnte 2011 abflachen
Ob die hohe Zahl an Kassenwechslern auch 2011 Bestand haben wird, ist fraglich. Laut BMG sollen die gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr durch die Anhebung des einheitlichen Beitragssatzes um 0,6 Punkte auf 15,5 Prozent sowie über höhere Steuerzuschüsse so gestellt werden, dass sie rechnerisch keine weiteren Zusatzbeiträge erheben müssten. Links zum Thema: hkk verspricht Beitragsprämie - 7,2% mehr Mitglieder Geplatzt: BKK Gesundheit sagt Fusion mit DAK ab

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